Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Unter-Oberndorf 1946 - 1995

 

Die erste Vollversammlung nach dem Zweiten Weltkrieg fand am 19. Mai 1946 statt. Es wurde zunächst der gefallenen Mitglieder und Kameraden gedacht, dann wählte man einstimmig folgende Funktionäre :

Hauptmann: Franz Schoder

Hauptmann-Stellvertreter: Anton Hieret

Kassier: Johann Bürgmayer

Schriftführer: Georg Weißmann

Zeugwart: Franz Lechner

Zugsführer: Johann Blauensteiner

 

In den Ausschuss wurden außerdem einstimmig gewählt: Anton Engelmann, Franz Schoder, Georg Weißmann, Franz Allmayer, Josef Summerauer und Leopold Engelmann. Diese Männer standen vor der Aufgabe, praktisch aus dem Nichts, die Feuerwehr wieder aufzubauen.

 

Bereits im Sommer 1947 wurde das erste Feuerwehrkränzchen abgehalten und noch im gleichen Jahr konnte ein Löschgerät angeschafft werden. 1948 wurde ein Kraftfahrzeug, ein Dodge aus ehemaligen US-amerikanischen Armeebeständen, in Wiener Neustadt angekauft und 1949 neue Blusen für die Feuerwehrmänner beschafft.

 

 

Da jedoch die finanziellen Mittel nicht ausreichten, um anzuschaffen was an Ausrüstung noch nötig war, wurde im Jahre 1950 beschlossen, in Hinkunft einmal im Jahr eine Sammlung durchzuführen.

 

Der technische Fortschritt einerseits und die immer vielfältiger werdenden Anforderungen an die Feuerwehren andererseits erforderten ein stetig steigendes Maß an Weiterbildung. Deshalb besuchen Männer der Freiwilligen Feuerwehr Unter-Oberndorf seit Anfang der 50er Jahre regelmäßig Schulungen und Kurse der NÖ Feuerwehrschule. Erst in Wiener Neustadt, später in Tulln.

 

Den in den 50er Jahren einsetzenden wirtschaftlichen Aufschwung konnte auch die FF Unter-Oberndorf nützen und immer bedeutendere Anschaffungen tätigen. Im Jahre 1953 wurden eine Kraftspritze und eine Sirene, 1958 ein Rüstanhänger und 1961 ein neues VW-Aggregat von der Fa. Rosenbauer, welches unter großer Beteiligung der Bevölkerung und vieler Nachbarfeuerwehren unter der Patenschaft von Frau Theresia Hieret feierlich gesegnet wurde, angeschafft.

 

 

Im Jahre 1962 kaufte die FF Unter-Oberndorf erstmals ein Tanklöschfahrzeug an. Es handelte sich um einen Opel Blitz mit einem Tankinhalt von ca. 1.000 Liter Löschwasser. Dieses Fahrzeug war aber doch bereits relativ alt und so musste man sich bereits 1968 Gedanken über ein Nachfolgefahrzeug machen. Es wurde ein gebrauchtes Mercedes-Fahrgestell um 57.000,- Schilling angekauft. Der feuerwehrtechnische Aufbau umfasste einen Tankinhalt von 4.000 Liter Löschwasser und wurde unter Aufwendung unzähliger freiwilliger Arbeitsstunden weitgehend im Eigenbau durch die Herren Krämer Josef, Komosny Friedrich und einige andere Helfer durchgeführt. Die Finanzierung konnte allein aus Mitteln der Feuerwehr nicht bewerkstelligt werden und so war man auf die Bevölkerung angewiesen, die mit Hilfe von Schuldscheinen zu 1.000,- Schilling einen zinsenlosen Kredit gewährte. Zusätzlich musste auch noch das Feuerwehrhaus durch Einbau eines neuen größeren Garagentores auf der Westseite umgebaut werden. Bei dieser Gelegenheit wurde auch gleich für die vorhandene alte Glocke ein Turm gebaut.

 

 

In den 70er Jahren war der Ansporn in der Feuerwehr Unter-Oberndorf sich bei Feuerwehrwettkämpfen aktiv zu beteiligen so groß, dass sogar zwei Bewerbsgruppen für interne Konkurrenz sorgten. Wie erfolgreich diese beiden Gruppen bei den Abschnitts-, Bezirks- und Landesbewerben waren zeigen noch heute die zahlreichen Pokale und Medaillen im Feuerwehrhaus.

 

 

Für die Funktionsperiode von 1971 bis 1973 wurde der Kommandantstellvertreter der Freiwilligen Feuerwehr Unter-Oberndorf, Herr Johann Bürgmayr, zum Kommandanten des Unterabschnittes Ost, der aus den Feuerwehren Eichgraben, Maria Anzbach und Unter-Oberndorf besteht, und von 1973 bis 1976 zum Stellvertreter des Abschnittskommandanten des Abschnittes Neulengbach gewählt.

 

Im Jahr 1977 konnte auch der mittlerweile schon sehr betagte Dodge durch ein neues Fahrzeug ersetzt werden. Es wurde ein Chevrolet-Geländefahrzeug angekauft und mit modernster feuerwehrtechnischer Ausrüstung ausgestattet. Als Patin fungierte Frau Evelyn Ritzengruber.

 

 

Zu dieser Zeit wurde im Feuerwehrverband gerade eine für den überörtlichen Katastropheneinsatz vorgesehene Einheit gebildet. Diese Einheiten nannte man Feuerlösch- und Bergedienst, kurz FuB-Dienst. Für diese Einheit war unser neues Fahrzeug wie geschaffen und wir wurden in den 3. Zug der 17. Bereitschaft des FuB-Dienstes eingegliedert. Dieser Zug bestand damals aus Fahrzeugen und Mannschaften von fünf Feuerwehren des Abschnittes Neulengbach.

 

Für uns ist die bis heute andauernde Mitwirkung in der Katastrophenhilfeeinheit der Feuerwehren bis heute sehr vorteilhaft, weil wir damit in den Schulungs- und Übungsbetrieb dieser Organisation eingebunden sind und daraus auch feuerwehrintern profitieren.

 

Die Feuerwehr Unter-Oberndorf war auch eine der ersten Feuerwehren die erkannte, dass die Gemeinden, die ja für die Bedürfnisse der Feuerwehren aufzukommen haben, nicht mehr alleine in der Lage sein werden, langfristig die immer komplizierteren und teureren technischen Ausrüstungen zu finanzieren. So organisierten unsere Altvordernen im Oktober 1978 erstmal eine mehrtägige Festveranstaltung in Eigenregie. Die ersten Unter-Oberndorfer Feuerwehrfeste wurden in der Spreitzerhalle in Maierhöfen abgehalten, später übersiedelte man ins Zelt - erst neben die Spreitzerhalle und später dann vor das Feuerwehrhaus.

An dieser Stelle möchten wir uns bei Allen, seien es die Familienangehörigen unserer Feuerwehrmitglieder oder auch die vielen Freunde der Unter-Oberndorfer Feuerwehr, für den unermüdlichen Einsatz im Rahmen unserer Feuerwehrfeste herzlich bedanken. Denn diese Veranstaltungen sind nach wie vor unsere größte Einnahmequelle und ohne sie wären die notwendigen Modernisierungen nicht zu finanzieren.

 

Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre wurden meist durch den Kanalbau sehr viele Brunnen, es gab damals noch keine Wasserleitung, ertragsschwächer oder versiegten ganz. Die Feuerwehr Unter-Oberndorf stellte auch hier ihren Mann und transportierte beispielsweise im Jahre 1978 1,3 Millionen Liter Trinkwasser zu Privathaushalten, Bauernhöfen und Gewerbebetrieben. Statistisch gesehen kommt man im Mittel auf ca. eine Fahrt pro Tag, unabhängig davon, ob es sich um einen Wochen- oder Feiertag oder um das Wochenende handelte. Nachdem sich die Situation immer mehr zuspitzte und eine Wasserleitung noch nicht in Sichtweite war, mussten Überlegungen bezüglich eines leistungsfähigeren Tanklöschfahrzeuges angestellt werden. Schlussendlich wurde 1980 ein TLF 4000 mit moderner Ausrüstung bei der Firma Rosenbauer angekauft. Die Segnung fand am 20. April 1980 statt. Die Patenschaft übernahm Frau Anna Bürgmayr.

 

 

Der eklatante Platzmangel im Feuerwehrhaus führte über Jahre hinweg immer wieder zu Überlegungen bezüglich des Ankaufs eines Grundstückes zwecks Neubau eines Feuerwehrhauses. Im Jahre 1984 ergab sich durch die Initiative des damaligen Kommandanten Heinrich Schmied die Gelegenheit zum Kauf des ehemaligen Kinderheimes der Stadt Wien inklusive des Grundstückes im Ausmaß von 7.452m². Nach dem Zubau eines Garagentraktes konnte am 17. Oktober 1985 anlässlich der 90-Jahr-Feier der Freiwilligen Feuerwehr Unter-Oberndorf das Feuerwehrhaus feierlich gesegnet werden.

 

 

In den Folgejahren sind unzählige Arbeitsstunden in dieses Gebäude investiert worden. Es wurden neue Fenster eingebaut, Räumlichkeiten zu Wohnungen umgebaut, Wärmedämmungen eingebaut, sämtliche Installationen erneuert, die komplette Fassade adaptiert, der Vorplatz asphaltiert, Räumlichkeiten für die Feuerwehr geschaffen und so weiter.

Um Kosten zu sparen wurden die gesamten Arbeiten, wie bei uns in der Feuerwehr Unter-Oberndorf üblich, in Eigenregie von den Kameraden geleistet.

 

1982 konnte das schon betagte Kommandofahrzeug Ford FK1000 durch einen neuen VW Bus als Kommandofahrzeug ersetzt werden. Die Ausrüstung des neuen Fahrzeuges umfasste sämtliche Einrichtungen für den Betrieb einer Einsatzleitung einschließlich eines Mobiltelefones und drei Atemschutzgeräten. Weiters wurde das Fahrzeug in den FuB-Dienst als Kommando der 17. Bereitschaft eingegliedert. Als Fahrzeugpatin fungierte Frau Maria Leiss.

 

 

1986 wurde im Zuge der Neuwahlen der NÖ Feuerwehren unser wiedergewählter Kommandant Heinrich Schmied zum Unterabschnittskommandanten Ost (Feuerwehren Eichgraben, Maria Anzbach, Unter-Oberndorf) für die Funktionsperiode bis 1991 gewählt.

 

1990 schaffte man einen Feuerwehrtraktor mit Frontlader, integrierter Abschleppvorrichtung und Seilwinde an. 1991 konnte die nicht mehr problemlos laufende VW-Pumpe durch ein leistungsstärkeres Modell der Type FOX I ersetzt werden. Die Patenschaft dieser beiden Geräte übernahmen die Frauen Elisabeth Fischer und Stephanie Sitte.

 

 

Auch auf dem Nachrichtensektor blieb die Zeit nicht stehen. Und so wurden tragbare Funkgeräte sowie Fahrzeugfunkgeräte angeschafft um die Kommunikation im Einsatzfall zwischen den Fahrzeugen und auch mit den anderen Feuerwehren zu gewährleisten. Weiters wurde unsere Feuerwehr mit einer auf Funk basierenden Sirenensteuerung sowie Pager, welche über die Bereichsalarmzentrale ausgelöst werden konnten, ausgestattet. Zusätzlich baute man, um die permanente Einsatzbereitschaft der Einsatzfahrzeuge zu gewährleisten, eine Batterieüberwachungseinrichtung zur Überwachung der Fahrzeugbatterien in die Fahrzeughalle ein.

 

Ab dem Jahre 1991 betrieb die FF Unter-Oberndorf gemeinsam mit der FF Eichgraben eine Feuerwehrjugendgruppe. Den Jugendfeuerwehrmännern werden bei den wöchentlichen Übungen nicht nur feuerwehrtechnische Grundbegriffe beigebracht, sie absolvieren dort auch Kurse in erster Hilfe und lernen dabei auch kameradschaftliches Verhalten. Sie nehmen an Wettkämpfen und Jugendlagern teil.

 

 

Im Jahre 1993 wurde erneut in die Modernisierung des Tanklöschfahrzeuges TLF 4000 investiert. Zur besseren Abwicklung technischer Einsätze konnten ein Notstromaggregat, ein hydraulischer Rettungssatz mit Schere und Spreitzer sowie ein pneumatisch ausfahrbarer Lichtmast zur Ausleuchtung der Einsatzstelle bei Dunkelheit eingebaut werden. Zusätzlich wurden die drei vorhandenen Atemschutzgeräte in die Mannschaftskabine verlegt. Dadurch war ab sofort ein Anlegen der Geräte bereits auf der Anfahrt zum Brandeinsatz möglich.

Bereits kurz danach mussten wir das neu angeschaffte technische Gerät bei einem schweren Verkehrsunfall mit einer eingeklemmten Person in den Einsatz bringen.

 

Im Jahre 1995 feierte man das 100-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Unter-Oberndorf. Dafür wurde ein großer Festakt veranstaltet. Hierbei gedachte man unserer Vorfahren sowie den Gönnern und deren Leistungen für unsere Feuerwehr. Landesfeuerwehrkommandant Erwin Novak sowie Bezirksfeuerwehrkommandat Wilfried Weissgärber würdigten die erbrachten Leistungen der Feuerwehr Unter-Oberndorf und wünschten noch viel Erfolg für die nächsten Jahrhunderte.

 

Die alten Silberhelme wurden ausgemustert und die komplette Mannschaft mit dem neuen Modell "Rosenbauer Heros 2" ausgerüstet.

Die Silberhelme sind heutzutage nur mehr bei Traditionsveranstaltungen und im Rahmen von Feuerwehrwettkämpfen in Verwendung.